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4. Von ungeklärten Gipfeln und französischen Spaltenbergungstechniken

Von ungeklärten Gipfeln und französischen Spaltenbergungstechniken
Skihochtour auf das Bishorn (4.153 m) vom 05.05. - 08.05.2016

Was macht man im Mai, wenn die Tourenski im Keller einfach noch keine Ruhe geben und unbedingt nochmal auf Tour gehen wollen? Man geht mit ihnen hoch hinaus.


Und genau das taten wir, 8 Teilnehmer und unsere beiden Tourenführer Andreas Bsirske und Achim Fender.

Über Kandersteg, mit dem Autoverlad Lötschberg, ging es in das Rhonetal, um in Turtmann in das frühlingshafte mit Abermillionen von Krokussen übersäte Turtmanntal abzubiegen. Zum Glück wurde die Wintersperre genau einen Tag vor unserer Anreise aufgehoben. So konnten wir relativ weit in das Tal hineinfahren. Knapp 1.200 Höhenmeter weiter oben, hinter dem heimeligen Ort Gruben, parkten wir die PKW. Den Schnee hatten wir hier wieder eingeholt. Zum Glück hat man als 
Tourengeher immer eine Schaufel dabei, denn zunächst mussten wir noch Parkplätze im Schnee ausgraben.Nach diesem Warm-up hieß es Hochtourenausrüstung packen, Felle auf die Ski und den (gefühlt tonnenschweren) Rucksack auf den Rücken. Und los ging's.
Bei frühlingshaft warmen und sonnigen Wetterverhältnissen zogen wir durch das obere Turtmanntal. Die Schneedecke war an manchen Stellen schon unterbrochen und die ersten Bergblümchen grüßten uns.
Der Talschluss öffnete sich zu einem Kessel mit einem zugefrorenen Stausee, umrahmt von Bergmassiven, Seracs und unserem Ziel, dem Bishorn. Ein perfekter Platz für eine kurze Rast. Schon die Turtmannhütte vor Augen, zogen wir um den See und stiegen die letzten Höhenmeter zur Hütte auf.
Die Turtmannhütte (2.519 m) ist eine Unterkunft des SAC Section Prevotoise und steht auf der deutschsprachigen Seite im Wallis. Wirtin Barbara ist eine äußerst herzliche Frau. Die Hütte verfügt in der Wintersaison über kein fließendes Wasser, aber genügend Schnee, um sich damit etwas frisch zu machen. Abends werden im Waschraum Wasserflaschen zum Zähneputzen bereitgestellt. Unser Lager war sehr gemütlich und großzügig und auch kulinarisch wurden wir sehr gut und reichlich verpflegt.
Am nächsten Morgen zogen wir weiter zu unserem nächsten Etappenziel, der Cabane de Tracuit. Obwohl das Wetter schon sehr vielversprechend aussah und man von einem sehr warmen Tag ausgehen konnte, war der Schnee am frühen Morgen noch stark verharscht. Zum Glück gibt es Harscheisen, die einem hier sehr hilfreich sein konnten.
Am Fuße eines ca 50 m hohen Couloir, befestigten wir unsere Skier an den Rucksäcken und schnallten unsere Steigeisen an, um diesen dann in einem spannenden Aufstieg zu bewältigen. Oben angekommen, ging es mit den Skiern weiter. Zunächst in einem weiten Bogen unterhalb des Seracs des Turtmannferners vorbei. Dort bildeten wir zwei Seilschaften, da es von dort an über Spaltengelände weiter ging. Am Rande einer Mulde führte die Spur sehr schön voran, wäre da nicht diese unerträgliche Hitze durch die massive Sonneneinstrahlung und die Reflektion durch den Schnee gewesen. Man kam sich vor wie eine Kartoffel im Sicomatic während des Dampfvorgangs.
Aber auch diese Herausforderung meisterten wir und das trotz dünner werdender Luft.
Die Cabane de Tracuit (3.256 m), eine Hütte des SAC Section Chaussy im französisch sprechenden Teil des Wallis, ist der klassische Ausgangspunkt für Touren auf das Bishorn.
Sie steht wie eine Trutzburg auf einem Sattel, ist aber nagelneu und sehr modern. Der Speisesaal und die Lager sind mit Panoramafenstern Richtung Matterhorn (ist's oder ist's nicht?) ausgerichtet. Die Terrasse ist perfekt zum Chillen in der Sonne oder zum Üben und Präsentieren von deutschen und französischen Arten von Spaltenbergungstechniken.
Auch hier ist Wasser zum Waschen eine Fehlanzeige. Diese Hütte setzt sogar noch einen drauf. Zähne putzen darf man mit einem gestellten Glas Wasser nur vor der Hütte und keinesfalls im Waschraum - die Waschbecken könnten sonst schmutzig werden.
Eine Flasche Mineralwasser 10 SF, 2 Liter Teewasser 17 SF - noch Fragen?
Das Bishorn (4.165 m) war am nächsten Tag unser Ziel. Bereits um 6.30 Uhr zogen wir erneut in zwei Seilschaften los, um bei herrlichstem Wetter dem Gipfel entgegenzutreten. Dass wir uns mittlerweile in beachtlicher Höhe bewegten, merkte man bei jedem Atemzug und Schritt.
Mäßig steil und unschwierig erreichten wir knapp 3,5 Stunden später das Skidepot des Bishorn. Mit Steigeisen und Eispickel standen wir 10 Minuten später auf dem Kreuz-freien Schneegipfel und erfreuten uns der grandiosen Bergwelt um uns herum. Neben uns der gewaltige Nordgrat des Weisshorn (eine Skitour der Extraklasse), die Monte Rosa Gruppe, die Dufourspitze, der Montblanc und die Berner Alpen.
Der Vorteil bei Skitouren ist, man spart sich mühsame Abstiege! Vor uns lagen 1.600 Höhenmeter Abfahrtstrecke vom Bishorn zurück zur Turtmannhütte. Die Schneeverhältnisse waren besser als gedacht und so konnten wir die Abfahrt genießen, auch wenn kurz vor der Turtmannhütte noch ein kleiner Gegenanstieg zu bewältigen war.
Nach einem weiteren gemütlichen Abend auf der Turtmannhütte und einer Nacht in unserem bereits altbekannten Zimmerlager, begaben wir uns am nächsten Morgen auf den Rückweg ins Tal. Allerdings nicht direkt. Das wunderschöne Wetter lud zu einer weiteren Skitour ein. Und so stiegen wir von der Turtmannhütte zunächst hinauf durch das Pipjitälli zur Pipjilücke (3.050 m) und dann auf den Pointe du Pipji (3.078m). Von dort ging es dann abwärts. Während die einen die 'normale' Abfahrtsroute wählten, gaben sich Drei einer besonderen Herausforderung und fuhren eine Rinne direkt unterhalb des Gipfels ab.
Weiter ging es zunächst hinab über schöne Bergflanken und später im steilen Gelände durch Bergwälder, jedenfalls landeten wir punktgenau bei unseren PKWs.
Mit einer Abschiedskaffeerunde in Kandersteg gingen unsere grandiosen Skihochtourentage zu Ende. Vielen Dank an unsere Skitouren-Guides Achim und Andreas für die tolle Organisation und Durchführung - das habt ihr klasse gemacht!

Text: Gabi Eichler
Fotos: Gabi Eichler, Kathrin Wartwig, Martin Tinger