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3. Skihochtour auf den Piz Medel

Eine Schneebar auf 2.524 m - von Activities und Chillen auf der Medelser Hütte
Skihochtour auf den Piz Medel (3.210 m) vom 18.03. - 20.03.2016


Der März ist ein perfekter Monat für Skitouren. Es herrschen angenehme Temperaturen, es gibt grundsätzlich noch genug Schnee und man stößt mit viel Glück noch auf perfekte Powderhänge.
In diesen Genuss kamen 8 Skitourengeher um ihren Guide Achim Maier bei ihrer Skihochtour zum Piz Medel an der Grenze zwischen Graubünden und Tessin.
Wir trafen uns freitags bei herrlichstem Vorfrühlingswetter gegen Mittag in Curaglia am Lukmanierpass (1.332 m), um den Aufstieg zu unserem Basislager Medelserhütte anzugehen.
Zuvor hatten wir uns in Disentis bei einem zweiten Frühstück auf der Sonnenterrasse einer Bäckerei mit Blick auf die wunderbare Bergwelt gestärkt. Sich von hier loszureißen viel uns schwer. Und wir fragten uns, wer denn auf die glorreiche Idee gekommen sei, jetzt auf eine anstrengende Skitour zu gehen?
Aber nun galt es. Zunächst führte uns die Skiroute ins stille Val Plattas hinein. Am Horizont immer unser Ziel den Piz Medel vor Augen. Das Tal öffnete sich am Ende zu einer Schwemmebene mit der Alpe Sura (1.982 m). Nachdem wir diese durchquert hatten, wurde der Weg steiler und die Hütte trat ein erstes Mal ins Blickfeld. 500 Höhenmeter weiter, erreichten wir die auf der Fuorcla da Lavaz thronende Medelserhütte (2.524 m).
Ähm, Moment mal, hatten wir uns in der Location geirrt und waren versehentlich in St. Moritz gelandet? Die Schneebar mit Sekt und Aperol Spritz, die uns vor der Hütte erwartete, hätte zu der Vermutung jedenfalls führen können. Da haben sich die Hüttenwarte Petra und Thomas Meyer was Tolles einfallen lassen. Bei unserer Ankunft chillten die Gäste bereits in der Sonne vor der Hütte, mit einem kühlen Getränk in der Hand - einfach eine coole Sache! Natürlich gesellten wir uns hier sehr gerne dazu.
Die Medelserhütte oder die Camona da Medel ist eine Unterkunft des SAC Section UTO Zürich. Sie hat einen modernen Anbau, in dem sich ein Speisesaal mit einem riesigen Panoramafenster Richtung Westen befindet. Dieses ermöglicht beim Abendessen die Beobachtung von grandiosen Sonnenuntergängen. Die Hüttenwarte Thomas und Petra kommen aus Deutschland. Sie haben vor Jahren ihre Jobs als Arzt und IT-Spezialistin an den Nagel gehängt um Hüttenwarte zu werden. Und das machen sie echt gut. Während Petra für ihre Gäste kulinarische Highlights zaubert, kümmert sich Thomas mit der restlichen Crew um alles weitere. Und sie suchen mit persönlichen Ansprachen stets die Nähe zu ihren Gästen.
Die Hütte verfügt in den Wintermonaten über kein fließendes Wasser. Abends werden im Waschraum Wasserflaschen zum Zähneputzen bereitgestellt. Aber das war's dann auch schon. Die Toiletten sind im Winter einfache Plumpsklos und waschen ist hier Fehlanzeige. Der Schnee um die Hütte herum darf nicht verschmutzt werden, da daraus das Trinkwasser gewonnen werden muss. Aber auch damit kommt man irgendwie klar.
Beim Chillen in der Sonne wurde uns bewusst, dass wir uns noch nicht so richtig ausgepowert hatten. Die Abfahrt hinter der Hütte hinunter ins Val Lavaz hatte es uns angetan. Beste Schneeverhältnisse und kaum Abfahrtsspuren drängten uns geradezu, die Skier nochmals anzuschnallen und uns die Abfahrt zu gönnen. Und das bereuten wir nicht, obwohl nach der genussvollen Abfahrt ein steiler Aufstieg zurück zur Hütte anstand.
Manch anderer Skitourengeher war aber nicht mehr so gut in der Lage, wie uns der Einsatz eines Rettungshubschraubers auf der Hütte deutlich machte. Er musste ausgeflogen werden.
Nach einem geselligen Abend und unruhiger Nacht im Winterraum, stand am nächsten Morgen der Aufstieg auf den Piz Medel an. Schönster Sonnenschein und strahlend blauer Himmel begleiteten uns. Zunächst folgten wir der Aufstiegsspur durch felsiges Gelände und dann auf das Plateau des Gletscher da Medel. Die Route führte uns im weiten Bogen zum steileren Gipfelhang. Ein paar Spitzkehren später, erreichten wir über den Nordgrat das Skidepot. Über leichten Fels und Schnee waren wir nach 5 Minuten auf dem Gipfel und erfreuten uns der grandiosen Bergwelt um uns herum.
Von da an ging es bergab. Nach der Rückkehr in das Skidepot und Stärkung von Leib und Seele, fuhren wir in besten Schneeverhältnissen den Gipfelhang ab. Wir querten das Gletscherplateau zu einem Joch am Ausläufer des Fil Liung (3.062 m). Der Name rührt nicht von einer Erstbesteigung durch einen Chinesen, sondern kommt aus dem Rätoromanischen und bedeutet 'Langer Grat'.
Von dort führte uns die Abfahrt zunächst hinab zum Gletscher da Lavaz und im weiteren Verlauf vor in das Val Lavaz. Von dort mussten wir wieder den bereits vom Vortag bekannten mühsamen Aufstieg zur Medelserhütte meistern.
Aber was soll's! Oben angekommen, stürzten wir uns erst mal auf die Schneebar und feierten unseren Gipfelsieg. Im Schnee ausgefräste und mit Decken ausgelegte Liegeflächen, luden zum Relaxen und 'Bergwelt genießen' ein. Was wir dann bis zum Abendessen auch ausgiebig taten, denn es war noch immer wunderbar warm und sonnig.
Am letzten Tag war zunächst eine Skitour zum Piz Cristallina (3.128 m) geplant. Aus Zeitgründen, aber auch wegen der verlockenden Abfahrt am Gipfelhang vom Piz Medel, disponierten wir kurzerhand um und ließen den Piz Cristallina rechts liegen. Die Abfahrt war phänomenal. Beste Schneeverhältnisse bereiteten uns einen perfekten Abschluss unserer Skitourentagen um den Piz Medel. Über die Alpe Sura und durch das Val Plattas kamen wir wieder nach Curaglia.
Bei einer Tasse Cappuccino und Apfelstrudel ließen wir in einem Kaffee in Disentis die schönen Tage ausklingen.
Es waren abwechslungsreiche, herausfordernde aber auch lustige Tage und es hat unheimlich viel Spaß gemacht. Vielen Dank, Achim, für die tolle Organisation und Durchführung. Wir freuen uns schon auf die nächste Skitour mit dir!

Text: Gabi Eichler
Fotos: Gabi Eichler, Achim Maier